Autor: Karl Lipp - Berater für Wildbienen, Wespen und Hornissen im Landkreis Altötting


Wildbienen


Wildbienen sind in der Öffentlichkeit in der Regel weniger bekannt als die Honigbiene. Auch bleibt ihr erheblicher Nutzen als Bestäuber eher unbekannt.

Zahlreiche Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen. Auch bei den Kulturpflanzen wie Obstbäumen, Beerensträuchern, Blumen und Kräutern übernehmen die Wildbienen eine wichtige Funktion. Als Bestäuber kommt ihnen somit eine wichtige ökologische Bedeutung zu.

Wildbienen sind jedoch nicht nur friedfertige Pollensammler, sondern mit ca. 500 Arten in Bayern recht vielgestaltig. Wildbienen gibt es mit einer Körperlänge von 2 mm bis 30 mm. Entsprechend verschieden sind auch ihre Nistplatzansprüche:
Manche graben ihre Nester in sandigen Boden, andere in Lößwände und wieder andere beißen Röhren für ihren Nachwuchs in Totholz oder markige Stängel oder beziehen fertige Hohlräume wie Schilf oder Käferfraßgänge.

Da sie keinen Bienenstaat gründen, sondern nur für sich alleine sorgen, nennt man sie auch Einsiedler- oder Solitärbienen.

Diese nützliche Insektengruppe ist zudem stark gefährdet. Der Bestand an Wildbienen geht dramatisch zurück. Über 300 Arten stehen in Bayern auf der ROTEN Liste. Gründe für den bedrohlichen Artenschwund sind intensive Landnutzung, Versiegelung (Straßen und Gebäuden) und in der Folge die Verknappung der Pflanzenvielfalt und Nistmöglichkeiten.

Der Imkerverein Marktl hat zum Schutz der Wildbienen im Imkerlehrpfad auf der Streuobstwiese an der Peracher Straße ein Wildbienenhaus errichtet.

Was auch sie für Wildbienen tun können:
• Nisthilfen sind leicht herzustellen, der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.
• Jeder kann im Garten, auf der Terrasse, auf dem Balkon oder am Fenster eine Nisthilfe anbringen und sich das ganze Jahr am Flugbetrieb erfreuen.
• Nisthilfen allein reichen jedoch nicht aus! Auch die Nahrungsgrundlage muss gesichert sein: Ein Garten mit einer reichen Vielfalt an Pollen spendenden Blumen, Sträuchern und Gehölzen kann ein Paradies für Wildbienen sein.
• In einem „aufgeräumten“ Garten mit nur Rasen und Thujen werden selbst die schönsten Nisthilfen leer bleiben.

Flyer des Landkreises Altötting zum Thema Wildbienen

Räuberei durch Wespen und Hornissen?


Das Bienen durch Räuberei ein anderes Volk „aufarbeiten“ ist den meisten Imkern aus Erfahrung bekannt. Von Imkern wird berichtet, dass auch Wespen ein Bienenvolk zerstören. Deshalb stellen sie Wespen-Fallen auf und behaupten damit eine Räuberei durch Wespen zu verhindern. Es lässt sich leicht aufzeigen, dass dies nicht stimmt. Außerdem ist es eines Imkers unwürdig und verstößt gegen das Gesetz für den allgemeinen Artenschutz.

Die Ursachen der Räuberei:
Wenn die Tracht zu Ende ist gibt es im Bienenvolk viele Tausende arbeitslose Bienen. Kundschafterinnen suchen duftgesteuert nach einer Ertragsquelle und betteln sich bei einem Nachbarstock ein, um zu erkunden, ob sich ein Überfall auf das Volk und dessen Vorräte lohnt.

Um die selbe Jahreszeit sind die „Deutsche“ und die „Gemeine“ Wespe am Höhepunkt ihrer Entwicklung. Nur diese beiden Arten (von den bei uns vorkommenden 12 Arten) können durch ihre Volksstärke von bis zu 10000 Tieren einem Bienenvolk gefährlich werden. Um diese Zeit werden nun auch Geschlechtstiere, fortpflanzungsfähige Weibchen und Drohnen, in großer Zahl herangezogen. Dazu benötigen sie neben tierischem Eiweiß, wie Schnaken, Fliegen, Raupen, Blattläuse usw., auch kohlehydrathaltige Nahrung. Weil es um diese Jahreszeit kaum noch Nektar oder Honigtau gibt, gehen die Wespen auf alles los was irgendwie fressbar für sie und ihre Brut in Frage kommt. Dabei kommen sie auch zum Menschen, um sich von seiner Brotzeit oder Kuchen ein Stück zu holen. Die Wespen sind entgegen der herrschenden Meinung nicht aggressiv sondern in ihrer Fressgier echt lästig. Das gleiche passiert, wenn eine Wespe in ein Bienenvolk gelangt. Diese Kundschafterin prüft die Eingangsöffnung, die Abwehrbereitschaft und die Volksstärke. Wenn Aussicht auf Erfolg besteht und die Wespe es schafft, den Bienenstock unbeschadet zu verlassen, wird im Wespenvolk mobil gemacht und Tausende von Wespen überfallen das Bienenvolk. Sie rauben nicht nur den süßen Honig, sondern auch die Maden als Fleisch für ihre Brut. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass die Verteidigung dieses Volkes zuvor schon von Artgenossen (Räuberbienen) gebrochen wurde.

Die Hornisse ist der „Falke“ unter den Wespen. Sie fängt ihre Beute im Flug. Zu ihren Beutetieren gehören auch die Bienen. Es mag für einen Imker ein Gräuel sein zu sehen, wenn eine Hornisse eine seiner Bienen zerlegt. Eine Bedrohung für ein Bienenvolk sind unsere Hornissen jedoch nicht, wie es z.B. durch die asiatischen Hornissen vorkommt. Der Imker möge bedenken, dass unsere Hornissen erst im Juli-August die größte Volksstärke erreichen, wenn das Bienenjahr bereits vorbei ist. Um diese Zeit gibt es im Bienenvolk eine Überzahl an arbeitslosen und alten Bienen.

Auch der „Bienenwolf“, eine solitäre Grabwespe, beginnt erst jetzt mit dem Brutgeschäft. Die Natur sorgt also selbst für den notwendigen Ausgleich. Hornissen und auch Wespen sind die natürlichsten Schadinsekten-Regulatoren. Man hat errechnet, dass ein Hornissenvolk pro Tag so viele Insekten (ca. 500 Gramm, darunter leider auch einige Bienen) fängt, was 5-6 Meisenpaare für ihre Jungen benötigen. Selbst die lästige Deutsche und Gemeine Wespe, deren Individuen-Zahl die der Hornissen um mehr als das 10-fache übersteigt, benötigen die drei- bis vierfache Insektenmenge. Das sind bis zu 2 kg Schadinsekten pro Tag. Nicht umsonst hat sie der Gesetzgeber unter Natur- bzw. Artenschutz gestellt. 

Wespenfallen sind Tierquälerei

Wenn Räuberei auftritt, hat in der Regel der Imker den Anlass dazu geboten, sicherlich unbeabsichtigt. Er hat versäumt, für diese Zeit das Flugloch so klein zu machen, dass nur eine Biene, maximal zwei, den Eingang passieren können. Mit solch engen Eingängen können sich auch weniger starke Völker der Eindringlinge, wie räuberische Bienen und auch Wespen, erwehren. Eine weitere Ursache passiert beim „Einfüttern“ durch Verschütten oder Kleckern, wodurch die ungebetenen Gäste angelockt werden. Das Freiaufstellen von Altwaben zum Ausschlecken ist deshalb verboten, nicht zuletzt auch wegen der Übertragung von eventuellen Krankheitserregern.

Eine Wespenfalle kann das sogenannte „Wespenproblem“ nicht lösen. Selbst wenn man täglich 10 oder mehr Wespen darin fängt, kann man ein Volk der Deutschen oder Gemeinen Wespe mit mehreren Tausend Tieren nicht so dezimieren, dass sie für Bienen keine Gefahr mehr sind. Je nach Zuckergehalt des Lockmittels gelangen auch Bienen und Hummeln usw. in die Falle. Zum Anderen ist das Aufstellen einer Wespenfalle schlichtweg reine Tierquälerei. Ich habe erlebt, wie nach Entleeren einer Wespenfalle tot geglaubte und zum Platzen aufgeblähte Tiere nach einer kurzen Zeit wieder zu krabbeln begannen. Es muss ein langsamer und grausamer Tod für sie sein.


Karl Lipp

Flyer des Landkreises Altöttung zu Wespen und Hornissen